Beschreibung 2. Obergeschoss

Religiöses Brauchtum

Die Exponate dieser Abteilung erinnern an die intensive oberbayerische Volksfrömmigkeit bis nach 1900. Die Sammlung ist klein, doch mit einigen herausragenden Objekten bestückt: Als einer der größten gilt der Weilheimer Palmesel-Christus aus der Ulmer Spezialwerkstatt in der Nachfolge Hans Multschers

(um 1470/80; jetzt im Skulpturensaal). Das kleinste Exponat ist ein 3 cm langer Pfeil, der als Pestabwehr getragen wurde. Diesem Zweck diente auch ein bedeutender "Pestsegen" aus Salzburg, der in einem Doppeladler aus Steinbockshorn eingelegte "Pestaugen" zeigt. Eine Art "Rundumversicherung" stellte der Wettersegen dar. "Wertlos" erscheinen uns heute die eisernen Votivtiere aus
Bauerbach (um 1600), die Bauern zur Abwehr von Tierseuchen dem hl. Leonhard gestiftet hatten. Kulturhistorisch interessant ist ein spätgotischer "Christus mit schwenkbaren Armen" (um 1500) für den Karfreitagsbrauch. Ehemaliges Brauchtum dokumentieren auch eine Madonna aus Nordtirol (dat. 1712) für das "Frautragen" und ein Rosenheimer "Fatschenkindl" für das Weihnachtsfest (2. Hälfte
18. Jahrh.). Eine Besonderheit in Oberbayern stellen ein "Memento-Mori"-Bild und eine Totengedenkgruppe aus Elfenbein dar. (Ge-)wichtig ist eine spätgotische Turmmonstranz.

Skulpturen

Der Skulpturensaal enthält Figuren aus vier Jahrhunderten. Eine "Anna selbdritt" kann als älteste Figurengruppe in die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert werden. Vom Ende des Jahrhunderts stammen ein Erzengel Michael, der Palmesel-Christus (Multscher-Nachfolge) und ein ehemaliges Altar-Relief mit der Kreuztragung. Zwischen 1680 und 1780 entstand das originelle Altarmodell aus Pähl. Die herausragende Skulptur stellt der Schmerzensmann dar, den Hans Leinberger 1527 für den ehemaligen Marienaltar der Pollinger Pfarrkirche schuf. Er stand ursprünglich im Altar über der Schreinfigur der berühmten "Pollinger Madonna". Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind die Figuren einer thronenden Muttergottes (H.J. Zürn-, um 1620), zweier Apostelköpfe von Adam Krumper (vor 1600) und einer monumentalen Verkündigungsmaria von David Degler (um 1675); eine wesentliche Bereicherung gelang mit der Erwerbung des gut erhaltenen Reliefs David Deglers mit der Verlobung der hl. Katharina (dat. 1665). Reizvoll erscheinen auch eine Engelsbüste (Fragment), ein geflügelter Engelskopf aus der Straub-Werkstatt (2. H. 18. Jh.) sowie eine Kreuzigungsgruppe von Ignaz Günther.

Stadtgeschichte

Im großen Saal auf der Westseite des Alten Rathauses hielt man von 1902 bis 1936 die Ratssitzungen ab. Hier wurden die Stadtgeschicke gelenkt und Stadtgeschichte gemacht. Die Entwicklung von der mittelalterlich geprägten Kleinstadt zum modernen Mittelzentrum im Oberland zeigen die alten Ansichten Weilheims seit 1590 (Thonauer-Fresko in der Münchner Residenz) bis 1905 (Ansicht des Marienplatzes als Handelsplatz). Wehmütig können die frühen Fotografien der ehemaligen drei Tortürme stimmen, die nach 1870 abgebrochen wurden. An die spätgotische Friedhofskirche erinnert eine Zeichnung Carl Spitzwegs. Das Hauptstück der Sammlung bildet das historisierende Stadtmodell auf einem Plan von 1811. Es entstand mit ca. 500 Häusern und Kirchen zur 100-Jahrfeier der Museumsgründung 1982 von C. M. Stiegele. Eine süddeutsche Puppenstube (um 1880), Möbel, Glas und Keramik Weilheimer Bürger sowie ein Lüsterweibchen (1603) bereichern den Saal. Gemälde und eine Büste erinnern an die Museumsgründer und Ehrenbürger der Stadt (u. a. Admiral Franz v. Hipper, Wilhelm
Conrad Röntgen).

Kontakt

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