durch Bombenangriff zerstörter Weilheimer Bahnhof Der Bombenangriff auf Weilheim am 19. April 1945 richtete im Bereich des Bahnhofes große Schäden an. (Foto: Stadtarchiv Weilheim)

Am 08. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Wie viele andere Städte hat auch Weilheim dem 75. Jahrestag, der gleichzeitig die Befreiungvom Nationalsozialismus bedeutete, zum Anlass eines Gedenkens gemacht. Corona-bedingt fand dieses im Rahmen der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrates am Vorabend des Jahrestages statt.

Mit den folgenden Worten erinnerte Erster Bürgermeister Markus Loth an diesen so wichtigen Tag für unser Land und ganz Europa.

Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,
verehrte Anwesende,

jedes Mitglied unseres Stadtrats legt am Anfang seiner Tätigkeit in diesem Gremium einen Eid ab – soeben gerade die Neugewählten – mit dem es sich öffentlich dazu verpflichtet, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, die Verfassung des Freistaats Bayern und alle Gesetze zu achten und zur Grundlage seines Handelns zu machen.

Das ist für Sie und für mich eine Selbstverständlichkeit. Wir achten und schätzen unsere Demokratie. Dass das aber keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, wird uns gerade in diesen Tagen wieder bewusst.

Morgen jährt sich zum 75. Mal das offizielle Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. Der 8. Mai 1945 gilt als Tag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. An diesem Tag kapitulierte die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Europa lag in Trümmern.

Auch unsere Heimatstadt Weilheim blieb nicht verschont. Am 19. April 1945 wurde sie von 78 amerikanischen Jagdbombern angegriffen, die rund 250 Sprengbomben auf kriegsstrategisch wichtige Stellen des Stadtgebiets abwarfen. Insgesamt 25 Menschen wurden Opfer dieses Angriffs. Das jüngste war ein zweijähriges Mädchen. Durch das Bombardement wurden zahlreiche Gebäude entweder vollkommen zerstört oder beschädigt – die vor allem im Umfeld des Bahnhofs lagen.

Die schrecklichen Bilder dieses grausamen Krieges – seien es die Gräuel in den Vernichtungslagern der Nazis, das Elend der Flüchtlinge oder die zerbombten Großstädte in Europa – sind uns durch die Medien immer noch präsent.

Wer die Hölle der Konzentrationslager nicht durchlitten hat, der wird niemals nachempfinden können, was die Überlebenden dieses Grauens noch heute im Innersten bewegt.

Millionen von Soldaten aus vielen Nationen hatten ihr Leben gelassen. Millionen waren in Kriegsgefangenschaft geraten, viele als Kriegsversehrte zurückgekehrt. Wer das Leiden und Sterben auf den Schlachtfeldern des Kriegs nicht miterleben musste, der kann sich nur eine vage Vorstellung von den Albträumen machen, die die Heimkehrer von damals noch heute heimsuchen.

Viele Menschen hatten Familienangehörige oder Freunde zu beklagen, die ums Leben gekommen waren. So starben insgesamt 506 Weilheimerinnen und Weilheimer, davon 7 jüdische Mitbürger und 406 als Soldaten.

Wer das Glück hatte, seine Heimat nicht zu verlieren, der vermag die noch heute gegenwärtige Trauer von Vertriebenen und Flüchtlingen um das Land ihrer Kindheit und ihrer Vorfahren nicht wirklich zu verstehen.

Menschen, welche diese Zeit selbst erlebt haben und davon berichten können, werden immer weniger. Deshalb sollten wir ihnen mit offenem Ohr und offenem Herzen zuhören. Gerade in der Achtung vor jedem einzelnen Schicksal drückt sich die Überzeugung von der allen Menschen gemeinsamen unantastbaren Würde aus.

Der 8. Mai 1945 hat uns alle erlöst von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Für die Überlebenden in den Konzentrationslagern, Todeszellen und Zuchthäusern bedeutete das Ende des Kriegs und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft die ersehnte Befreiung.

Wir gedenken der Millionen Juden, der Sinti und Roma und der vielen anderen, die verfolgt, gequält und ermordet worden sind.

Wir gedenken der vielen Millionen Menschen, die darüber hinaus dem deutschen Wüten vor allem in Polen und in der Sowjetunion zum Opfer fielen.

Aus den persönlichen Erinnerungen unserer Eltern und Großeltern, können wir uns unmittelbar ein Bild des Dritten Reichs sowie der Kriegs- und Nachkriegszeit machen – von den jahrelangen Entbehrungen, Nöten oder Ängsten.

Erst vor ein paar Monaten ist ein interessantes Buch von Robert Huber über das Kriegsende in Weilheim erschienen. Darin erfahren wir, wie die Weilheimer Bürgerinnen und Bürger den Einmarsch der Amerikaner und das Kriegsende miterlebt haben. In den Vormittagsstunden des 29. April 1945 erreichte die 36. US-Infanteriedivision – über Landsberg und Wessobrunn kommend – die Stadt Weilheim und konnte sie wohl dank einer Widerstandsgruppe kampflos besetzen.

Am 8. Mai 1945 hätte niemand in Deutschland zu träumen gewagt, dass wir am Anfang der längsten Friedensperiode in der jüngeren deutschen Geschichte stehen würden. Dieser Tag mahnt uns, auf eine Friedensordnung in Europa hinzuwirken, die sich auf die uneingeschränkte Achtung der persönlichen Menschenrechte und auf das Völkerrecht gründet.

Wir alle stehen in der Verantwortung, die Erinnerung an das Geschehene wach zu halten und weiterzugeben, damit sich solches Unrecht und Leid nicht wiederholt.

Es gibt in unserem Land leider auch Unbelehrbare, die zurück wollen zu Rassismus und Rechtsextremismus. Aber sie haben keine Chance. Dafür steht die überwältigende Mehrheit der mündigen Bürgerinnen und Bürger, und dafür steht unsere Demokratie.

Meine Damen und Herren, es ist unsere Pflicht, den Anfängen von Terror und Gewalt zu wehren – im Kleinen wie im Großen. Wir müssen wachsam und wehrhaft sein! Der Gedenktag zum Ende des Zweiten Weltkriegs ist und bleibt ein Tag der Erinnerung und der Besinnung – der Erinnerung an Krieg, Terror und Gewalt und des Gedenkens an die Toten.

Wir verneigen uns in Trauer vor ihnen. Wir bleiben ihnen verbunden in der dauerhaften Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit.

Gedenken wir jetzt in einer Schweigeminute der vielen Opfer der Diktatur des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.

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