Blumenwiese mit Bäumen und Blick ins Tal Blumenwiese am Gögerl (Foto: Irmingard Kemmer, Untere Naturschutzbehörde Landkreis Weilheim-Schongau)

Rahmenplan „Gögerl“: Schutzgebietsverordnung Landschaftsbestandteil Gögerl

Mit dem Beginn der Vegetationsperiode möchten die Stadt Weilheim i.OB und die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Weilheim-Schongau auf einen ganz besonderen Schatz vor den Toren der Stadt aufmerksam machen und zugleich um Rücksichtnahme bitten, damit dieser für alle erhalten bleibt.

Die Rede ist vom Weilheimer „Gögerl“, dem Höhenzug im Südosten. Die Stadt Weilheim mit ihren BürgerInnen schätzen sich glücklich, ein so reizvolles Naherholungsgebiet ihr Eigen nennen zu dürfen. Viele genießen den Blick auf die Stadt, in das weite Ammertal oder in die Berge, ob nur vom Biergarten aus oder bei einem Spaziergang.

Weniger bekannt ist vielleicht, dass das Gögerl mit seinen ausgedehnten Wiesen und alten Gehölzbeständen am Westhang, mit Wald, Quellen, Feucht- und Nasswiesen auf der Ostseite Lebensraum einer vielfältigen Flora und Fauna ist. So berichtet die Biodiversitätsberaterin der Unteren Naturschutzbehörde, Irmingard Kemmer, von mehr als 370 Pflanzenarten, die am Gögerl gedeihen.

Von besonderer Bedeutung für den Naturschutz sind die blumenreichen Wiesen und sog. Magerrasen auf der sonnigen Westseite. Sie beherbergen eine überdurchschnittliche Artenvielfalt, neben typischen Wiesenblumen auch zahlreiche im Landkreis seltene und gefährdete Arten.

So sind im Frühjahr Echte Schlüsselblumen, am Waldrand Leberblümchen und versteckt in der Wiese Veilchen, gelb und weiß blühende Fingerkrautarten oder Sonnenröschen zu bewundern. Etwas später blühen vereinzelt Orchideen, in manchen Jahren bis zu sechs verschiedene Arten. An den sonnigen Waldrändern leuchtet der prächtige Purpurklee. Witwenblumen, Ästige Graslilie, Skabiosen und Flockenblumen, Ochsenauge und Glockenblumen sorgen im Sommer für ein buntes Bild.

Im Juli / August mähen ein örtlicher Landwirt und das Kommunalunternehmen Stadtwerke Weilheim im Auftrag der Stadt Weilheim die Wiesen, da nur so die Blumenvielfalt erhalten bleiben kann. Es bleiben immer wieder wechselnde ungemähte Bereiche stehen, um auch der Tierwelt geeignete Habitate zu sichern.

Großflächig und gut ausgeprägt gibt es vergleichbare Biotope nur an wenigen Orten im Landkreis, vor allem entlang des Lech, im Raum Schongau und an der Ostseite des Ammerseebeckens. Die Stadt Weilheim ist sich ihrer Verantwortung bewusst, die Blumenwiesen am Gögerl in ihrer Ausdehnung und Qualität zu erhalten.

Naturschutzrechtlich sind die Wiesen und Magerrasen etwa ab dem Kleingartengelände bis zum Wald am Hechenberg gesetzlich geschützt, zudem wurden große Bereiche des Gögerl-Westhangs bereits 1989 durch Rechtsverordnung des Landkreises Weilheim-Schongau als „Geschützter Landschaftsbestandteil“ ausgewiesen (siehe beiliegende Karte im PDF-Format). Das Bayerische Naturschutzgesetz schränkt auch dahingehend ein, dass landwirtschaftlich genutzte Flächen in der Zeit des Aufwuchses nicht betreten werden dürfen.

Die Wiesen und Magerrasen am Gögerl sind in den letzten Jahren zunehmenden Belastungen ausgesetzt. Globale Einflüsse wie Klimawandel machen manchen Arten das Überleben schwer. Das Gögerl weist seit Jahren im Winter nur noch selten eine schützende Schneedecke auf, wiederholte mechanische Belastungen der Pflanzendecke mit Bodenverdichtung können von einer schleichenden Veränderung der wertvollen Vegetation bis zum Verlust führen. In Zeiten des „Lockdown“ oder des „Homeoffice“ wurde das Gögerl immer attraktiver für Spaziergänger, Sportler - auch für den ein oder andern Mountainbiker - oder als Treffpunkt. Anfängliche Trampelpfade laden zu Abkürzungen oder wegen einer noch schöneren Aussicht ein, diese zu benutzen. Oder es wird – wenn der Weg mal rutschiger ist – ausgewichen auf die noch intakten Wiesen.

Gerade heute im Zeichen des Klimawandels wird Natur- und Artenschutz wieder präsenter denn je. Es ist unser aller Aufgabe, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, weiter zu entwickeln und für die Zukunft zu erhalten.

Um die Wiesen und Magerrasen in ihrer Vielfalt und Schönheit zu erhalten, bitten wir alle Besucher auf den bestehenden, deutlichen Wegen zu bleiben.

Mit den Bavarian Airhawks – dem seit Jahrzehnten in Weilheim ansässigen Frisbee Club – sind Stadt und Landratsamt stets in Kontakt, um den bestehenden Parcours an die Gegebenheiten der Schutzgebietsflächen anzupassen. Der Club informiert und sensibilisiert seine Mitglieder und Spieler in regelmäßigen Abständen. Auch an die nicht im Club organisierten Nutzer der Anlage richtet sich unser Appell zur Rücksichtnahme auf die wertvollen Wiesen.

Gemeinsam werden in den nächsten Tagen die Abwurfstellen des Frisbee-Parcours angepasst, stellenweise eingegrenzt und saniert. Ausweichstellen auch von Erholungssuchenden, beginnende Trampelpfade und belastete Bereiche werden vorübergehend mit Trassierband abgesperrt, damit sich die Pflanzendecke wieder erholen kann.

Ansprechen möchten wir aber auch die Freizeit-Biker, die gerne das Gögerl und die angrenzenden Bereiche befahren. Bitte bleiben auch Sie auf den ausgewiesenen Wegen. Sie zerstören sonst wertvolle Naturschutzflächen.

Ebenso weisen wir darauf hin, dass die beiden frühmittelalterlichen Wallanlagen des „Hechenbergwalles“ und „Gögerlwalles“ nicht betreten oder überfahren werden dürfen.

Wir bitten Sie um Verständnis für die Belange des Natur- und Artenschutzes.

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